Kochtalent-RS

Im November 2017 galt es ernst. Die Aushebung für die kommende Rekrutenschule stand an. Die üblichen Tests in den Bereichen Sport, Psychologie und Wissen sind getan. Vornherein stand jedoch schon fest, dass für mich als gelernter Koch die Truppenkochfunktion meine favorisierte Option war, meinen Militärdienst zu absolvieren. 

 

Seit Januar 2018 gibt es nun ein neues Rekrutenschul-Modell, welches als Pilotprojekt zum ersten Mal durchgeführt wird: Die "Kochtalent-RS". Dieses soll gezielt motivierte, disziplinierte und lernbereite Köche fördern und fordern. Erfreulicherweise wurde ich in dieses Modell aufgenommen. Aufgrund der in der Lehre gezeigten Leistung, den Feedbacks der à la carte Erfahrungen in mehreren Hotels sowie den militärisch internen Kursen während der Lehre konnte ich mich so für diese RS qualifizieren. Im Rahmen dieses Pilotversuchs haben pro RS Start jeweils nur zwei Rekruten der ganzen Schweiz die Möglichkeit, ihre Rekrutenschule nach diesem Modell zu absolvieren. 

 

Der Zweite Kandidat für dieses Projekt ist Dominik Roider. Seine Lehre machte er im erstklassigen fünfstern Spa- und Wellnesshotel Bad Ragaz. Ausserdem ist er seit Ende 2017 Mitglied der Junioren-Kochnationalmannschaft der Schweiz, welche das Aushängeschild des Schweizer Kochverbandes und des Kochberufes ist und die Schweiz an internationalen Wettbewerben vertritt.

Die Rekrutenschule ist so gegliedert, dass wir zuerst sechs Wochen allgemeine Grundausbildung in den Nachschub Schulen 45, auf dem kantonalen Waffenplatz Freiburg La Poya leisteten. Dort werden alle Angehörigen des Armee Nachschubs, der Logistik Bereitschaftskompanie und den Logistikbataillonen, aber auch die Rekruten der Einsatzlogistik in den Kampfverbänden, ausgebildet. 

 

Nebst der Ausbildung im Bereich der Logistik wird pro Rekrutenschule auch ein Zug Übermittlungssoldaten ausgebildet, welcher im Einsatz die Verbindung zwischen den Logistikformationen untereinander sowie zur vorgesetzten Stufe aufrecht erhält. Wir, die Truppenkochrekruten, absolvierten mit einem Feldpostzug zusammen gemeinsam die allgemeine Grundausbildung. Nach der Grundausbildung wechselten wir zum Ausbildungszentrum Verpflegung in Thun und wo wir uns nun grösstenteils der Arbeit in der Küche widmen konnten.

 

In Thun im Kommando Ausbildungszentrum Verpflegung haben wir die Möglichkeit, uns in der Küche kochtechnisch mit moderner Infrastruktur stets zu verbessern und sind dabei für die Verpflegung an Kaderrapporten, öffentlichen Messen sowie militärischen Anlässen zuständig. Zusätzlich bekommen wir die Chance, während der Rekrutenschule unser Know-How in kochtechnischen Kursen zu verbessern und den kulinarischen Horizont so zu erweitern.

 

Ein weiteres Ziel dieser Rekrutenschule ist es, neue Kandidaten für das SACT (Swiss Armed Forces Culinary Team) zu gewinnen, welches das Aushängeschild der militärischen Verpflegung ist und ebenfalls in internationalen Kochwettbewerben auf hohem Niveau als Team immer wieder Spitzenplätze erreicht. 

 

Nebst den vielen Chancen und Privilegien dieses Modells, besuchen wir den Truppenkochfachkurs sowie den Fachkurs für Küchenchefkandidaten sofern die Anforderungen erfüllt sind. Der potenzielle Eintritt in die Unteroffiziersschule nach der Rekrutenschule dient ebenfalls als Weiterbildung in den Bereichen Verantwortung, Führung, körperliche Fitness etc.   

 

Ich finde es persönlich ein sehr spannendes Modell mit grossen Chancen. Es fördert nicht nur die Kreativität und den Wissensstand, sondern die militärische Grundausbildung kommt durch den sehr intensiven Start in Fribourg nicht zu kurz. Aus meiner Sicht bietet dieses Modell eine optimale Alternative für Köche mit Potenzial welche in einer normalen Truppenküche "versinken" und untergehen würden. Ich denke, dass die "Kochtalent-RS" ein Schritt in die Zukunft sein wird.